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LIV BADEN-WÜRTTEMBERG
Qualitätshandwerk mit Traditionsbewusstsein

Chance oder Kahlschlag im Handwerk?!?

Chance oder Kahlschlag im Handwerk ?!?


Kommentar zur Novellierung der Handwerksordnung



Zum 01. Januar 2004 trat die neu geschaffene Handwerksordnung in diesem unserem Land in Kraft. Hierzu sind einige Punkte anzuleuchten bzw. auch kritisch anzumerken.

Chance oder Kahlschlag im Handwerk ?!?


Kommentar zur Novellierung der Handwerksordnung



Zum 01. Januar 2004 trat die neu geschaffene Handwerksordnung in diesem unserem Land in Kraft. Hierzu sind einige Punkte anzuleuchten bzw. auch kritisch anzumerken.

Bisher versuchten die Organisationen des Handwerks immer alles daran zu setzen, die Einheit des Handwerks als Wirtschaftsbereich zu sichern. Der Meisterbrief galt als Voraussetzung für die Selbstständigkeit im Handwerk und garantierte dies auch als ?Gütesiegel?. Er stand für Qualität und Vertrauen. Rund 842.000 Betriebe des Handwerks mit ihren ca. 5,3 Millionen Beschäftigten legten somit ein Bekenntnis zur dynamischen Entwicklung des Handwerks im Wettbewerb auf der Grundlage des Prinzips der geprüften Qualifikation ab.

Selbst Verbraucherschützer stehen hinter der Organisation des Handwerks. So können Verbraucher durch die zu erlangende Qualifikation ?Meisterbrief? (welche zur Selbstständigkeit im Handwerk bisher notwendig war), vor einer unkontrollierten Entwicklung, wenn sich fachlich wenig oder gar nicht Beschlagene selbstständig mach können, wirksam schützen.

Der Handwerksmeister kann aufgrund seiner fundierten Ausbildung und der qualifizierten Weiterbildung bis hin zum Meisterbrief fachliche Qualität garantieren. Etwa z.B. Metzger, Konditor oder Bäcker. Zumal das Argument des niedrigen Preises hier nicht sticht: Schon heute bieten Supermärkte oder Backstationen industriell gefertigte Back-, Kuchen-, Fleisch- und Wurstprodukte im (Preis-) Wettbewerb zum Handwerk an.

Dies gilt etwa auch für die im Trend liegenden Hausbrauereien, für deren fachliche Qualität ein Braumeister stehen muss ? auch hier will ?Clement? Gewerbefreiheit.

Dass dies gerade in Süddeutschland aufstößt, ist eine Frage des guten Geschmacks ? und hat gar nichts mit Ideologie zu tun ? Rinderwahn und gepanschte Biere mit Himbeergeschmack lassen grüßen!

Das eine Handwerksordnung in der heutigen Zeit sicherlich überprüft werden muss und dass Änderungen und Neuerungen im Handwerk erforderlich sind, will sicherlich niemand in Frage stellen.

Eine moderne Handwerksordnung muss vor allem dreierlei bieten:



1. den Erhalt der Qualität der handwerklichen Ausbildung und auch weiter eine hohe Zahl von Lehrstellen,
2. einen erleichterten Zugang zum Handwerk durch Aufgabe des Inhaberprinzips und die verstärkte Anerkennung verwandter Abschlüsse,
3. mehr Selbstständigkeit im Bereich der einfachen Dienstleistungen.



Dafür steht das Konzept des Handwerks!

Die Bundesregierung nennt eben diese Ziele ? setzt sie aber leider nicht in letzter Konsequenz um. Das Kriterium ?Ausbildung? etwa wird lediglich am Rande in der neuen Handwerksordnung genannt.

Der vorgesehene bzw. beschlossene Automatismus, Gesellen nach einer Wartezeit das Recht zur Führung eines Betriebes einzuräumen, über die bisher bestehenden Ausnahmeregeln hinaus, höhlt den Wert des Meisterbriefes aus und senkt damit allgemein die Bereitschaft, sich höher zu qualifizieren.

Man muß sich schon zu recht um die Qualität und Quantität der Ausbildung im Handwerk sorgen.

Es gilt Betriebe zu haben, die ausbilden - und nicht nur anlernen. Vorhandene oder in Zukunft entstehende Kleinstbetriebe ohne Qualifikationsnachweis sind es eben nicht, die das Gros der Lehrlinge ausbilden. Und bestimmt nicht die ?Ich-AG? oder ?Wir-AG?.

Nein, es sind Meisterbetriebe, die unternehmerisch erfolgreich sind und in ihrer Region als Ausbilder einen Ruf haben, da dort die ganze Bandbreite eines Berufes erlernt werden kann und nicht nur der Ausschnitt, den eine Ich-AG zumeist bedient.



Die Ausbildung der Jugendlichen ist aber ein Zukunftskapitel für jedes Land. Die gewerbliche Ausbildung wird aber zu fast zwei Dritteln vom Handwerk getragen.

Und wenn wir uns alle mal zurück erinnern, war es genau dies, was unser Land stark gemacht hat und um das uns andere Länder in Europa und weltweit immer wieder beneideten.

Die neue Ordnung des Handwerks


Nun, wie bereits erwähnt ist zum 01.Januar2004 die neue Handwerksordnung in Kraft getreten. Die entsprechenden Neuregelungen waren nach Verabschiedung durch den Bundestag und Bundesrat am 29. Dezember 2003 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden.

Bei der Novellierung des Handwerksrechts handelt es sich im einzelnen um das ?Dritte Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften? und um das ?Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung und zur Förderung von Kleinunternehmen?, die sogenannte große und kleine Novelle der Handwerksordnung (HwO).



Der Handwerksorganisation war in diesem Bereich besonders daran gelegen, sicher zu stellen, dass im Gesetz auch künftig von ?Handwerk? und ?Handwerkern? gesprochen wird und keine allgemeinen Begriffe wie ?Selbstständiger? und ?Arbeitgeber? verwendet werden.

Neu ist vor allem die Gliederung der Anlagen A und B zur Handwerksordnung.

Die Zuordnung der Berufe zur Anlage A der Handwerksordnung wir künftig auf der Basis der Kriterien ?Gefahrengeneigtheit? und ?Ausbildungsleitung? geregelt.

Dies stellt vor allem auch eine Anerkennung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Ausbildungsleistung des Handwerks dar, die mit einer Quote von nahezu 10 % (Auszubildende bezogen auf Erwerbstätige im Handwerk) fast drei mal so hoch liegt, wie in der übrigen Wirtschaft.



Anmerkung:

Das Schornsteinfegerhandwerk wurde eben aufgrund dieser o. g. Grundlagen in der Anlage A fest verankert.

Die Anlage B (wird unterteilt in B1 und B2) beinhaltet jene Handwerksbereiche, die den Meisterbrief nicht mehr zwingend als Voraussetzung für die Selbstständigkeit fordert.



Als nicht zukunftsweisend und wirtschaftlich sinnvoll wird diese Unterscheidung sich in absehbarer Zeit herausstellen. Da nun für eine Vielzahl bisheriger Handwerke die Meisterprüfung nicht mehr als verpflichtend vorgesehen ist und dies eine Missachtung und Gefährdung des hohen Niveaus, der Komplexität der Ausbildung im Handwerk sein wird,

ist abzuwarten ob die gewünschten Absichten der Bundesregierung erreicht werden können.

Sicher wird sein, diese Umsetzung wird kontraproduktiv für die weiteren Ausbildungsanstrengungen und für den Ausbildungsmarkt sein.

Schon mal was von PISA gehört ?!?



Fazit:

Die Entscheidungen des Bundesregierung und deren Verantwortlichen werden zu großen Verlusten an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im Handwerk führen und den beschäftigungsstärksten Wirtschaftsbereich nachhaltig schwächen.

Eine notwendige Öffnung und sinnvolle Modernisierung der Handwerksordnung mit dem Handwerk hätte eine Sicherung und Entwicklung der Qualifizierung zur Folge gehabt.

Dennoch gilt zu hoffen, das ein dynamischer Strukturwandel sich abzeichnen wird und dem Handwerk zukunftsweisende Wachstumsperspektiven ermöglichen.

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